NUR-MUT- eine Häutung 2020

Rassismus im Kontext „weißer“ Allmachtsfantasien.

 

Rassismus ist uns unter die Haut geschrieben. Unter dieser Prämisse werden je fünfzehn Menschen eingeladen, einen Raum des Hinschauens zu betreten. Die bildende Künstlerin Alexandra Hojenski und der Musiker Wolfgang Eckert schaffen dafür ein von vier Kuben und Sound dominiertes Bühnensetting, das grundsätzliche Dringlichkeit thematisiert sowie Einschluss und Ausschluss markiert. Ein- und Ausschluss von kolonialer Vergangenheit, von Vorurteilen und Zuschreibungen – als wären es immer nur „die Anderen“. Und Ein- bzw. Ausschluss von Blickachsen: Sind Wegschauen und Leugnen tragfähige Strategien, um eine menschliche Zukunft zu gestalten? Wie nah muss jede*r „ran“, um sich mit eigenen rassistischen Grundmotiven des Denkens und Handelns zu konfrontieren?

Vier Tänzer beschreiben in situationskomischen, bisweilen aggressiven Settings das Bild eines Menschenrudels, das sich vor dem Hintergrund dieser brodelnden Einforderung zum Hinschauen an den eigenen Vorurteilen abarbeitet. Der toxisch maskuline Mob muss an sich selbst scheitern, um Öffnung denkbar zu machen. Scheitern im Sinne des Haut-Lassens, der Häutung. Schicht für Schicht, durch schäumende Wut und knallharte Abwehr hindurch, umkreisen die Tänzer ein mögliches Erkennen: Privilegien zu besitzen. Diese gehen zu lassen, sich dadurch aufkommender Panik bewusst zu werden, sich der eigenen Angst und Armseligkeit zu stellen, auf der Ressentiments fußen: Dies fordert co>labs im Rahmen ihrer neuen Produktion - auch von sich selbst ein.

 

„NUR MUT – Eine Häutung“ will gerade vor dem Hintergrund des Aufstehens gegen Rassismus in aller Welt dazu ermutigen, sich selbst in die Mangel zu nehmen. Die performative Installation fordert dazu auf, sich anzusehen, wie die europäische Kolonialvergangenheit und ihre Konsequenzen immer wieder die (deutsche) Gegenwart prägen. Welche Abwehrreaktionen greifen, wenn „Weißsein“ als Konzept markiert und in Frage gestellt wird? Welche individuellen und gesellschaftlichen Kräfte geraten in Rage, wenn Rassismus zum Thema gemacht wird? Wo gehen im Nichtgesagten, aber Gedachten rassistische Strukturen Hand in Hand mit dem schönen Leben?

 

Mit ihrer neuen Produktion macht die Choreografin Beate Höhn in Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Katharina Baur viel heiße Luft zu dünnem Eis. Darauf zu tanzen und den Wunsch nach einer Welt, frei von Demütigung und Grausamkeit, in seinem ganzen Pathos zu einer innerlichen Auseinandersetzung mit sich selbst werden zu lassen: Das bewegt co>labs 2020.

 

TANZ, PERFORMANCE Max Levy, Rouven Pabst, Kirill Berezovski, Johannes Walter

 

CHOREOGRAFIE, REGIE Beate Höhn DRAMATURGIE, TEXT Katharina Baur BÜHNE Alexandra Hojenski KOMPOSITION Wolfgang Eckert KOSTÜM Susanne Suhr LICHT, TECHN. PRODUKTIONSLEITUNG Sasa Batnozic VIDEOS Miho Kasama ASSISTENZ Miriam Sapio HOSPITANZ Lea Höhn TECHNIK Team Tafelhalle

 

Eine Koproduktion mit der Tafelhalle Nürnberg, mit freundlicher Unterstützung der TanzZentrale e. V., gefördert von der Stadt Nürnberg. Dieses Projekt wird ermöglicht durch den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Kunst- und Kulturstiftung der Nürnberger Nachrichten und des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas N2025

                                                                                                                 Fotos Simeon Johnke

                                                                                                           Video Florian Reichart

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